Benedikt Stafflinger: SatSheet und nuck nuck


Genesis.
Ich bin Benedikt, Jahrgang 1994, und komme aus einer ganz normalen Arbeiterfamilie. Meine Mutter war Hausfrau, mein Vater hat in einer Druckerei gearbeitet. Viel Geld hatten wir nicht, aber meine Eltern haben gut gewirtschaftet und meinem Bruder und mir eine glückliche Kindheit ermöglicht. Dafür bin ich ihnen bis heute dankbar.
Wenn ich ein neues Spielzeug haben wollte, habe ich oft alte Sachen auf dem Flohmarkt verkauft und später Zeitungen ausgetragen.
Meine ersten Aktien.
Mit fünf haben mir meine Eltern zehn Nokia-Aktien geschenkt. Damit gehörte mir ein kleines Stück einer Firma, deren Handys damals jeder kannte. Darauf war ich ziemlich stolz.
Die Handys galten als unkaputtbar. Der Kurs war es leider nicht.
Auf eigenen Beinen.
Für die Ausbildung bin ich nach München gezogen. Zeitweise ist mein ganzer Monatslohn fürs Wohnheim draufgegangen. Für Kino oder einen Abend in den Bars habe ich regelmäßig Pfandflaschen gesammelt. Eine gute Zeit war es trotzdem.
In dieser Zeit haben mich Dividenden gepackt. Mit Coca-Cola und Procter & Gamble habe ich angefangen, mir ein kleines Dividendendepot aufzubauen. Meine Nokia-Aktien habe ich mit rund 70 Prozent Verlust verkauft. Mit den Dividenden war ich trotzdem fast bei null. Das ist hängen geblieben.
„Jemand sitzt heute im Schatten, weil vor langer Zeit jemand einen Baum gepflanzt hat.“Warren Buffett
DividendeOhneEnde.
2016 habe ich angefangen, Websites zu bauen. Zwei Jahre später ist aus meinen beiden Hobbys ein Dividendenblog geworden. Unter der Woche recherchieren, sonntags schreiben: Daraus sind 145 Unternehmensvorstellungen entstanden.
Im selben Jahr war ich mit meinem Vater auf der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway. Buffett hat Bitcoin dort „wahrscheinlich Rattengift zum Quadrat“ genannt.
Aktien konnte ich greifen: Unternehmen, die etwas herstellen und Geld verdienen. Bitcoin war irgendein Internetgeld. Und wenn Buffett so darüber spricht, warum sollte ich genauer hinschauen?
Bitcoin ging nicht weg.
Irgendwann habe ich mir gedacht: Das scheint wohl nicht mehr wegzugehen. Also habe ich im Februar 2021 einen Bitcoin-Sparplan eingerichtet. Jeden Monat ein kleiner Betrag.
Der Sparplan lief blind nebenher. Ich war weiter mit Aktien, Optionen und meinem Blog beschäftigt. Bitcoin war jetzt Teil meines Depots, viel mehr wusste ich darüber aber nicht.
Dass es diesen Kaninchenbau gibt, hatte ich schon gehört. Wie tief er ist, ahnte ich nicht.
Jeder zu seiner Zeit.
Ich habe Bitcoin jahrelang für Quatsch gehalten. Wer mir davon erzählt hat, den habe ich eher belächelt. Ich hatte Aktien und Dividenden im Kopf, da hätte mir jemand noch so begeistert von Bitcoin erzählen können.
Heute ist es umgekehrt, und ich merke selbst, wie anstrengend ich damit sein kann. In den Kaninchenbau lässt sich niemand ziehen. Man kann zeigen, wo der Eingang ist. Durchgehen muss jeder selbst. Bei mir hat es bis 2024 gedauert.
Dann hat es Klick gemacht.
Mit den Bitcoin-ETFs bin ich neugierig geworden. SEC-Chef Gary Gensler zog eine klare Linie: Bitcoin ist ein Rohstoff, alles andere sind Wertpapiere. Die Kryptoszene hasst ihn dafür, aber er hatte recht. Bitcoin verhält sich zu allen anderen Kryptowerten wie das Internet zu einzelnen Webseiten.
Als ich begriffen habe, was diese unveränderliche Knappheit bedeutet, war es um mich geschehen. Bücher, Podcasts, unzählige Stunden YouTube: Hinter jeder Antwort warteten neue Fragen. Ich war endgültig im Kaninchenbau angekommen.
Der neue Maßstab
In Bitcoin gerechnet.
Eigentlich wollte ich meinen Dividendenblog mit einem Entwickler und einem Illustrator groß umbauen. Dass ich dabei meine Anlagestrategie hinterfrage, war nicht geplant.
Ich habe die Aktien in Bitcoin nachgerechnet: 133 von 145 Unternehmen liegen dahinter, Dividenden eingerechnet.
So viel Recherche, jede Woche ein Artikel, und immer wieder wäre Bitcoin besser gewesen. Meine Überzeugung hatte sich verändert, und ohne Herzblut wollte ich den Blog nicht weiterführen.
Artikel und Vergleich im Archiv Ein Blick zurück, keine Prognose.
Weiter: derselbe Chart, gemessen in Bitcoin ↓
Fest begrenzt
Kein Versprechen.
Es waren nicht nur die Zahlen. Durch den Blog wusste ich, wie viel bei einem Unternehmen zusammenkommen muss: gute Produkte, ein fähiges Management und Kunden, die auch morgen noch kaufen. Selbst nach gründlicher Recherche ist vieles offen geblieben.
Die Begrenzung von Bitcoin hängt an keinem Vorstand und keinem Geschäftsergebnis. Nach all den Geschäftsberichten und Prognosen fand ich genau das bemerkenswert: Diese Knappheit kann ich nachprüfen.
Don’t trust, verify.
Nachprüfen.
Irgendwann wollte ich das auch wirklich tun. Heute läuft bei mir ein eigener Bitcoin-Node, der Blöcke und Transaktionen nach den Regeln des Netzwerks prüft. Meine Bitcoin verwahre ich selbst, ohne Bank dazwischen. Zumindest bis zu diesem tragischen Bootsunfall …
Am Anfang wirkte Bitcoin auf mich technisch und ziemlich kryptisch. Mit dem eigenen Node und viel Ausprobieren ist es Schritt für Schritt greifbar geworden. Heute verstehe ich auch die Technik dahinter, und trotzdem wartet sicher noch vieles, auf das ich mich freue. Die Blöcke hier rechnet übrigens gerade dein Browser nach.
Fix the money, fix the world.
Frei sein.
Angefangen hat alles mit meinem eigenen Geld. Ich wollte mir etwas aufbauen und frei entscheiden können, wie ich meine Zeit verbringe.
Dann bin ich auf Geschichten von Menschen gestoßen, deren Ersparnisse ständig an Wert verlieren, die kein Bankkonto bekommen oder fürchten müssen, dass es gesperrt wird. Da habe ich erst verstanden, was es heißt, frei über das eigene Geld zu verfügen. Für mich war das immer selbstverständlich. Für viele andere ist es das nicht. Für sie kann Bitcoin ein Ausweg sein.
15. August 1971
Wie sind wir hier gelandet?
Je mehr ich mich mit Bitcoin beschäftigt habe, desto öfter bin ich bei diesem Abend gelandet. Nixon hat angekündigt, dass andere Staaten ihre Dollar „vorübergehend“ nicht mehr in Gold tauschen können. Aus vorübergehend wurde dauerhaft.
Eigentlich wollte ich nur Bitcoin verstehen. Jetzt habe ich mich damit beschäftigt, wie unser Geld zu dem geworden ist, was es heute ist. Langsam wurde mir klar, warum alle von einem Kaninchenbau sprechen.
Gramm Gold für 100 D-Mark (ab 1999: 51,13 €). Quellen: Weltbank, Bundesbank, EZB
Die Werkstatt
Selbst bauen.
Irgendwann wollte ich etwas zu Bitcoin beitragen. Die Frage war nur: was?
Websites habe ich auch nach dem Blog weiter gebaut. Was mir gefehlt hat, war ein eigenes Projekt, das ich jeden Tag benutze. Die Idee lag längst vor mir: Meine Bitcoin-Tabelle ist immer umfangreicher geworden. Daraus ein richtiges kleines Tool zu bauen, das auch andere nutzen können, war für mich der perfekte Plan.
Web-App · offene Beta
SatSheet
Mein Bitcoin-Dashboard. Und vielleicht auch deins.
In meiner Tabelle steckten Käufe, Kurse und immer neue Kennzahlen, und irgendetwas hat ständig gehakt. Mit SatSheet habe ich das Dashboard gebaut, das ich selbst jeden Tag benutze. Dein Board stellst du dir so zusammen, wie es für dich passt.
Kostenlos, ohne Konto, Werbung oder Tracker. Der Code ist offen. Deine Finanzdaten bleiben bei dir.
satsheet.com öffnen ↗

App für iPhone und iPad
nuck nuck
Bitcoin zum Nachdenken.
Im Kaninchenbau begegnen mir Gedanken, bei denen ich hängen bleibe. Manche von Bitcoinern, andere von Menschen, die lange vor Bitcoin gelebt haben. Daraus ist nuck nuck entstanden.
Vorne auf jeder Karte steht ein Gedanke mit Quelle, hinten eine Frage an dich. Du hältst deine Antwort fest und signierst sie. Karte für Karte entsteht so deine eigene Kette.






Schreib mir.
Fehlt dir bei SatSheet oder nuck nuck etwas? Hast du einen Fehler entdeckt oder eine Idee? Schreib mir gern. Ich benutze beides selbst, aber mir fällt längst nicht alles auf.
benedikt@stafflinger.comFalls mich jemand sucht: Ich bin noch im Kaninchenbau.