Benedikt Stafflinger
← ArchivNr. 125 von 145

DividendeOhneEnde · 27. Juni 2021

West Pharmaceutical Services

Der Pharma-Verpacker

Block 688.966 · 5 Min. Lesezeit

Steckbrief
Ticker
WST
ISIN
US9553061055
WKN
864330
Land
USA
Branche
Gesundheit
Sektor
Gesundheitspflege Geräte
Börsenwert
18,5 Mrd. $
Dividendenrendite
0,30 %
Ausschüttung
quartalsweise
Erste Dividende
1972
Status
Dividendenaristokrat
BDOE-Score25 Punkte
Dividendenrendite
0,3 %
Dividendenwachstum
6,8 %
Ausschüttungsquote
7,9 %
Kurszuwachs
804,6 %
Gewinnwachstum
40 %
Umsatzwachstum
14,4 %
Verschuldungsgrad
8,9 %

Der DOE-Score war meine damalige Bewertung aus diesen Kennzahlen, von A (sehr gut) bis E. Stand der Kennzahlen: 11. Oktober 2022, kurz vor dem Ende des Blogs.

Inhalt

Schaufelverkäufer & Dividendenaristokrat

Wer eine Lösung für ein großes Problem hat, wird damit eine Menge Geld verdienen können. In wohl jeder Unternehmensbiografie habe ich diesen Satz bereits gelesen. Doch lasst mich diesen Satz mal an unsere momentane Situation anpassen: Wer einen wirksamen Coronaimpfstoff hat, verdient damit gutes Geld. Setzte man als Aktionär schon früh auf den Mainzer Impfstoffhersteller BioNTech, bewahrheitete sich dies zweifelsfrei. Curevac-Aktionäre hingegen hatten leider nicht so viel Glück. Wer meinen Blog schon länger verfolgt weiß, dass ich sogenannte Schaufelverkäufer sehr mag. Warum sich dem Risiko eines wirkungsvollen Impfstoffs aussetzen, wenn man doch auch von einem Zulieferer profitieren kann?

Das amerikanische Unternehmen West Pharmaceutical Services ist ein weltweit führender Hersteller von hochwertigen Verpackungskomponenten für injizierbare Medikamenten. Schauen wir uns den Pharmazulieferer heute mal etwas genauer an.

Die Entstehung und das Geschäftsmodell der West Pharmaceutical Services Inc.

Die Ursprünge der heutigen West Pharmaceutical Services Inc. gehen auf das Jahr 1893 zurück, als Herman O. West in Minnesota geboren wurde. In jungen Jahren verließ sein Vater die Familie und seine Mutter musste sich fortan alleine um ihn und seine Geschwister kümmern. Herman war ein guter und wissbegieriger Schüler. Doch leider fehlte es der Familie an Geld, weshalb er nach seinem Highschool-Abschluss zwei Jahre lang als Versandmitarbeiter in einer kleinen Holzfirma arbeiten musste, um sich das nötige College-Geld zu verdienen. Als er genug angespart hatte, zog er nach Pennsylvania und besuchte dort die Universität. Im Alter von 25 Jahren meldete er sich bei der Navy zum Militärdienst, doch glücklicherweise endete der Erste Weltkrieg kurz darauf. Nach seinem Studium begann Herman als Buchhalter bei einem zahnmedizinischen Versorgungsunternehmen zu arbeiten, doch mehr und mehr freundete er sich mit dem Gedanken an, selbst eine eigene Firma für zahnmedizinisches Zubehör zu gründen.

Am 27. Juli 1923 war es so weit und Herman gründete gemeinsam mit seinem Kollegen Frank Mancill und seinen beiden ehemaligen Studienkommilitone Jesse R. Wike und Norman F. Wiss sein eigenes Unternehmen mit dem Namen The West Company. In einem kleinen Haus in der 1117 Shackamaxon Street in Philadelphia richteten sie ihre erste Produktionsstätte ein und begannen bald damit Schleif- und Polierscheiben aus Gummi herzustellen, die sie anschließend an Zahnärzte in der Region verkauften. Die Nachfrage war außerordentlich groß und das Geschäft konnte sich hervorragend weiterentwickeln. Aus dem Grund zögerte man nicht lange und erweiterte innerhalb weniger Jahre die Produktpalette um weitere pharmazeutische Gummikomponenten, wie Kolben, Stopfen und Pipettensauger. Als der schottische Mediziner und Bakteriologe Alexander Fleming im September 1928 durch einen glücklichen Zufall das wirksame Antibiotikum Penicillin entdeckte, revolutionierte dies die Medizinwelt. Kurz darauf wurde man vom Pharmakonzern Eli Lilly gebeten, einen neuartigen Gummiverschluss für injizierbare Medikamente zu entwickeln, der mehrmals durchstochen werden konnte und dennoch die Sterilität innerhalb des Behälters bewahrte und keine Verunreinigungen einführte.  Genau dieser Gummistopfen verhalf der West Company zu ihrem guten Ruf in der gesamten Pharmabranche.

In den folgenden Jahren begann man weitere Produktionsstandorte aufzubauen, die unter anderem mit größeren und effizienteren Gummipressen ausgestattet waren. So konnte etwa eine neue Presse die Gummiteile automatisch schneiden, wodurch die zeitaufwendige Arbeit von Hand entfiel. Alleine dadurch konnte man seine Produktionskapazität erheblich steigern. Waren es 1947 noch 200 Millionen produzierte Gummiteile, so waren es 1965 bereits über 2 Milliarden, die jährlich das Werk verließen. Im Jahr 1970 brachte man The West Company an die Börse und nutzte die frischen Investitionsgelder, um weiterzuwachsen und die Entwicklung neuer Produkte voranzubringen. Auch wagte man sich in andere Geschäftsfelder, allerdings war dies nicht immer mit Erfolg gekrönt. Seit den 1990er-Jahren konzentriert man sich wieder auf seine Kernkompetenz, benannte sich in West Pharmaceutical Services Inc. um und zählt heute zu den weltweit führenden Anbietern von Verpackungen für injizierbare Medikamente, der Fertigung von medizinischen Einweggeräten und analytischen Dienstleistungen.

Wie kann sich West Pharmaceutical Services in Zukunft weiterentwickeln?

Werfen wir zunächst einen Blick auf die zuletzt veröffentlichten Quartalszahlen (Q1 2021 - endete am 31. März 2021). Dass die Coronapandemie das Geschäft eines Pharmazulieferers befeuert, dürfte wohl niemanden wundern. Aber auch mit diesem Wissen sind die folgenden Zahlen überaus beachtlich. Seinen Nettoumsatz konnte man von 491,5 Millionen US-Dollar im Q1 2020 auf nun 670,7 Millionen US-Dollar steigern, mit anderen Worten entspricht dies einer Steigerung von stolzen 36,5 Prozent. Doch damit nicht genug: Der bereinigte Gewinn lag im Zeitraum Januar bis März 2021 unglaubliche 103 Prozent über dem Vorjahresergebnis bei 179,2 Millionen US-Dollar. Dementsprechend konnte sich auch der bereinigte Gewinn je Aktie von 1,01 USD auf 2,05 USD etwas mehr als verdoppeln.

Ich gehe stark davon aus, dass sich die Lage in einiger Zeit wieder normalisiert und die Umsätze erst mal auf ein gesundes Niveau zurücksinken werden. Schaut man sich aber mal die Aktie abseits der Coronaauswirkungen an, stellt man fest, dass es sich dennoch um ein absolutes Qualitätsunternehmen handelt. Langfristig wird man also vermutlich mit Aktien der West Pharmaceutical Services Inc. nicht viel falsch machen können. Die Crème de la Crème der Pharmabranche zählt zum Kundenstamm, fortlaufend werden neue Patente eingereicht und gelegentlich kauft man passende Unternehmen auf.

Wie sieht es mit der Dividende aus?

Eine Beteiligung am Unternehmensgewinn in Form von Dividenden erhalten Aktionäre von West Pharmaceutical Services bereits seit dem Jahr 1972. Seitdem wurde die Dividende auch in jedem Quartal ausgezahlt, allerdings nicht jährlich gesteigert. Zuletzt in den Jahren 1990 bis 1992 wurde die Dividende unverändert bei 0,10 USD gelassen. Seit 1993 ist es dem Medizinzulieferer gelungen, die Gewinnausschüttung jährlich zu steigern, weshalb man sich inzwischen Dividenden Aristokrat nennen darf. Betrachtet auf den letzten 10 Jahren liegt die durchschnittliche Dividendensteigerungsrate bei soliden 7,3 Prozent. Mit knapp 0,2 Prozent ist die momentane Dividendenrendite allerdings schon sehr gering, auch wenn die Ausschüttungsquote mit gerade mal 12 Prozent noch viel Potenzial für zukünftige Steigerungen erkennen lässt.

Fazit:
Ich halte das Geschäftsmodell des Pharmaverpackers für sehr interessant. Mir persönlich ist die Aktie momentan etwas zu teuer, dennoch werde ich mir West Pharmaceutical Services auf meine Watchlist packen und eventuell später zugreifen.

Epilog · 1. November 2026

Was daraus wurde

Seit diesem Artikel sind 5 Jahre und 4 Monate vergangen. Hätte man am Tag der Veröffentlichung 1.000 € investiert, stünde man heute hier:

West Pharmaceutical Services, inkl. Dividenden1.235 €
Dieselben 1.000 € in Bitcoin2.331 €

Bitcoin lag vorne.

1.000 €, investiert am Tag dieses Artikels
27. Juni 2021heute
  • West Pharmaceutical Services, inkl. Dividenden:
  • Dieselben 1.000 € in Bitcoin:
Wochenkurse inklusive reinvestierter Dividenden, ohne Gebühren und Steuern. Stand: 1. November 2026.

Ebenfalls aus der Branche Gesundheit