Benedikt Stafflinger
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DividendeOhneEnde · 29. August 2021

STERIS

Der Hygiene-Experte

Block 698.120 · 5 Min. Lesezeit

Steckbrief
Ticker
STE
ISIN
IE00BFY8C754
WKN
A2PGLV
Land
Irland
Branche
Gesundheit
Sektor
Gesundheitspflege Geräte
Börsenwert
17,1 Mrd. $
Dividendenrendite
1,10 %
Ausschüttung
quartalsweise
Erste Dividende
2005
Status
Dividendenadel
BDOE-Score25 Punkte
Dividendenrendite
1,1 %
Dividendenwachstum
9,2 %
Ausschüttungsquote
47,1 %
Kurszuwachs
372,4 %
Gewinnwachstum
22,7 %
Umsatzwachstum
12,2 %
Verschuldungsgrad
28,5 %

Der DOE-Score war meine damalige Bewertung aus diesen Kennzahlen, von A (sehr gut) bis E. Stand der Kennzahlen: 11. Oktober 2022, kurz vor dem Ende des Blogs.

Inhalt

Ein lupenreines Investment

Wie wird sich die Welt nach Corona verändern? Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, dass alles wieder so wird wie früher. Viele Unternehmen haben erkannt, dass Homeoffice in einigen Bereichen wunderbar funktioniert. Ich könnte mir also gut vorstellen, dass eine Vielzahl von Arbeitnehmern von der Stadt aufs Land zieht und sich Mietpreise wieder normalisieren. Auch Geschäftsreisen quer durch die Welt werden vermutlich zurückgehen, was natürlich der Umwelt zugutekommt. Ebenso denke ich, dass man auch in Zukunft penibel auf Hygiene achten wird.

Und da sind wir auch schon beim Stichwort Hygiene. STERIS, unser heutiger Kandidat, ist ein amerikanisches Unternehmen (mit Sitz in Irland), das sich auf die Sterilisation, Desinfektion und Dekontamination medizinischer und chirurgischer Geräte spezialisierte. Ein recht langweiliges Geschäft, über das man nur selten etwas hören oder lesen wird - perfekt für uns ☺︎

Die Entstehung und das Geschäftsmodell der STERIS Public Limited Company

Im Jahr 1894 erkannten auch die beiden Brüder J. Everett und George E. Hall aus Erie Country (Pennsylvania), dass der Markt mit Sterilisatoren eine Menge Potenzial bot. So zögerten die beiden nicht lange, tüftelten an ihrem ersten dampfbetriebenen Sterilisator und gründeten die American Sterilizer Company (kurz: AMSCO). Die Nachfrage war groß und das Geschäft entwickelte sich so gut, sodass man bereits 1909 eine neue Produktionsstätte bauen musste. Die Bedienung der Sterilisatoren war anfangs noch recht kompliziert und zeitaufwendig und musste manuell von Krankenschwestern erledigt werden. Ab dem Jahr 1950 führte AMSCO eine Druckknopfsteuerung ein und das Personal hatte wieder mehr Zeit für die Patientenpflege.

Widmen wir uns nun der Entstehungsgeschichte der STERIS plc. Diese findet ihren Ursprung am 9. August 1940 in Weirton (West Virginia), als Raymond Kralovic geboren wurde. Er war begeistert von der Mikrobiologie, weshalb er nach seinem Studium auch noch seine Doktorarbeit über dieses Thema schrieb. Mitte der 1980er-Jahre war Dr. Kralovic als Mikrobiologe bei AMSCO angestellt und entwickelte dort ein flüssiges Sterilisationsverfahren, das bei niedriger Temperatur funktionierte. Er präsentierte sein Modell der Geschäftsleitung, doch als diese kein Interesse zeigte, entschied er sich zu kündigen. Kurzerhand gründete er die Innovative Medical Technologies Corporation gemeinsam mit seinem Bekannten Ed Schneider, der als Maschinenbauingenieur arbeitete. Das bisherige Sterilisationsverfahren arbeitete mit hohen Temperaturen und aggressiven Desinfektionsmitteln - empfindliche und hitzeempfindliche Instrumente, die bei minimalinvasiven Eingriffen verwendet wurden, hielten diesem Verfahren schlichtweg nicht stand. Kralovic entwickelte das STERIS System 1, ein komplettes Niedertemperatur-Sterilisationssystem, das innerhalb von 30 Minuten alle Mikroorganismen abtötete und gleichzeitig die Instrumente vor Korrosion schützte. Das System wurde zum absoluten Verkaufsschlager und man änderte den Unternehmensnamen in STERIS.

Im Juni 1992 brachte man das Unternehmen an die Börse und förderte damit das weitere Wachstum. Das Geniale am Geschäftsmodell war vor allem der wiederkehrende Strom an Einnahmen. Das System 1 war zwar eine einmalige Investition für Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen, die patentierte Sterilisationslösung musste hingegen in regelmäßigen Abständen gekauft werden. STERIS nutze das frische Kapital auch, um seine Produktpalette zu erweitern. So ging man beispielsweise im Jahr 1993 ein Joint Venture mit der Ecomed Inc. ein, um ein Entsorgungssystem für infektiöse Abfälle, wie Einwegartikel oder Spritzen, zu entwickeln. 1994 tätigte man mit der Medical & Environmental Designs Inc. seine erste Geschäftsakquise - ein lizenziertes Unternehmen zum Sammeln und Entsorgen flüssiger biologisch-gefährlicher Abfälle.

Die wohl wichtigste Übernahme gab STERIS im Dezember 1995 bekannt: Dr. Kralovic kaufte seinen alten Arbeitgeber AMSCO auf. Das war deshalb auch so ungewöhnlich, da das über 100 Jahre alte Unternehmen zum Zeitpunkt der Übernahme nahezu fünfmal so groß war wie STERIS. AMSCO hatte zwar einen festen Kundenstamm, aber die Verkaufszahlen sanken und man hatte Probleme mit seinem neuen Management. Schlagartig erweitere man seine Produktpalette um 300 Artikel und positionierte sich als Branchenführer für große und kleine Sterilisationssysteme. Über die Jahre folgten noch einige weitere kluge Geschäftsakquisen, mit denen man sich stets breiter aufstellte. Heute beschäftigt STERIS mehr als 16.000 Mitarbeiter in über 100 Ländern und ist führend in der Infektions- und Kontaminationsprävention im Gesundheits- und Pharmasektor.

Wie kann sich STERIS in Zukunft weiterentwickeln?

Zunächst möchte ich einen Blick auf die Zahlen des zuletzt veröffentlichten Quartals (Q1 2022 - endete am 30. Juni 2021) werfen. Der Gesamtumsatz in diesem Quartal lag mit 968,4 Millionen US-Dollar stolze 45 Prozent über dem Ergebnis aus dem Vorjahresquartal. Das bereinigte Umsatzwachstum lag im Q1 2022 ebenfalls 21 Prozent über dem Ergebnis vom ersten Quartal 2021. An der Stelle muss man aber anmerken, dass das Q1 2021 durch die Coronapandemie natürlich negativ beeinflusst wurde. Das finale Ergebnis wurde durch eine einmalige Ausgabe in Höhe von etwa 140 Millionen US-Dollar belastet, die im Zuge der Cantel Medical Übernahme gezahlt wurden. Auf bereinigter Basis betrug der Nettogewinn im ersten Quartal 22 insgesamt 159,9 Millionen US-Dollar beziehungsweise 1,76 US-Dollar pro Aktie (1,32 USD/Aktie im Q1 21).

Sein Geschäft unterteilt STERIS in die vier Segmente Healthcare, Applied Sterilization Technologies, Life Sciences und Dental. Das Segment Healthcare, welches 63 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet, umfasst die Produkte und Dienstleistungen zur Infektionsprävention in Operationssälen und Nierendialysezentren. Unter Applied Sterilization Technologies (18 Prozent des Umsatzes) stellt man seine Sterilisations-Dienstleistungen verschiedenen Herstellern von medizinischen Geräten oder Pharmaunternehmen zur Verfügung. Das Segment Life Sciences erwirtschaftet rund 11 Prozent des Gesamtumsatzes und vertreibt Verbrauchsmaterialien und Dienstleistungen an pharmazeutische Hersteller, die sich vor allem auf Impfstoffe spezialisierten. Zu guter Letzt umfasst das Dental-Segment Instrumente und Verbrauchsmaterialien für Zahnärzte und zahnmedizinische Fakultäten - hier erwirtschaftet man 8 Prozent seines Umsatzes.

Außer Frage steht, dass STERIS auch in Zukunft sowohl durch eigene Innovation und internes Wachstum, als auch durch Geschäftszukäufe wachsen wird. Eine Übernahme birgt natürlich immer die Gefahr, dass man sich selbst übernimmt und in finanzielle Schieflage bringt, STERIS hat hier aber bereits mehrfach sein Können unter Beweis gestellt. Alles in allem bin ich sehr zuversichtlich, was die Zukunft des Unternehmens angeht.

Wie sieht es mit der Dividende aus?

Seit dem Jahr 2005 beteiligt STERIS seine Aktionäre am Unternehmensgewinn in Form von Dividenden. Im Jahr 2006 ließ man die Dividende noch unverändert, ehe es dem Hygienekonzern seitdem gelungen ist, die Dividende Jahr für Jahr zu zahlen und auch zu steigern. Die durchschnittliche Dividendensteigerungsrate der letzten 10 Jahre beträgt solide 10,0 Prozent. Die momentane Dividendenrendite ist mit 0,7 Prozent zwar nicht recht hoch, dafür signalisiert aber die Ausschüttungsquote in Höhe von 47,8 Prozent noch ausreichend Steigerungspotential für die Zukunft.

Fazit:
Die STERIS plc baute sich über die Jahre ein langweiliges, aber erfolgreiches Geschäft auf. Auf die Produkte und Dienstleistungen des Hygieneexperten werden Kunden wohl kaum verzichten können. Angesichts dessen lege ich es langfristig orientierten Anlegern ans Herz, sich das Unternehmen noch mal etwas genauer anzusehen.

Epilog · 1. November 2026

Was daraus wurde

Seit diesem Artikel sind 5 Jahre und 2 Monate vergangen. Hätte man am Tag der Veröffentlichung 1.000 € investiert, stünde man heute hier:

STERIS, inkl. Dividenden1.188 €
Dieselben 1.000 € in Bitcoin1.591 €

Bitcoin lag vorne.

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29. August 2021heute
  • STERIS, inkl. Dividenden:
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