
DividendeOhneEnde · 24. April 2022
Hermès International
Der Inbegriff von Luxus














- Ticker
- RMS.PA
- ISIN
- FR0000052292
- WKN
- 886670
- Land
- Frankreich
- Branche
- Konsum zyklisch
- Sektor
- Textil - Kleidung
- Börsenwert
- 130,4 Mrd. $
- Dividendenrendite
- 0,60 %
- Ausschüttung
- halbjährlich
- Erste Dividende
- 1994
- Status
- Dividendenanwärter
- Dividendenrendite
- 0,6 %
- Dividendenwachstum
- 18,3 %
- Ausschüttungsquote
- 28,8 %
- Kurszuwachs
- 470,9 %
- Gewinnwachstum
- 21,3 %
- Umsatzwachstum
- 14,5 %
- Verschuldungsgrad
- 12,8 %
Der DOE-Score war meine damalige Bewertung aus diesen Kennzahlen, von A (sehr gut) bis E. Stand der Kennzahlen: 11. Oktober 2022, kurz vor dem Ende des Blogs.
Inhalt
Traditionsreicher Familienkonzern
Ich predige es immer wieder: "Wer langfristig an der Börse erfolgreich sein möchte, muss sich breit aufstellen." Nachtrag, 2026: Das war mein letzter Artikel. Kurz danach habe ich angefangen, genau diese Predigt zu hinterfragen. An der Börse gilt sie für mich noch immer, beim Geld selbst habe ich meine Antwort gefunden: Bitcoin. Wagen wir heute also mal wieder einen Blick über den Tellerrand hinaus. Warum Aktien kaufen, wenn man doch auch in Handtaschen investieren kann? Kein Scherz, eine klassische Birkin Bag aus dem Hause Hermès konnte laut einer Studie von 1980 bis 2015 jährlich über 14 Prozent an Wert zulegen - Tendenz steigend. Und interessanterweise schrumpft die Nachfrage nach Luxushandtaschen nicht mal in wirtschaftlichen Schwächephasen, ganz im Gegenteil. Um ehrlich zu sein, bleibe ich aber doch lieber bei der Aktie: Erstens kenne ich mich in der Modewelt so gut wie gar nicht aus und zweitens habe ich auch nicht das notwendige Kleingeld für eine exquisite Hermès Handtasche. Wir sprechen hier übrigens schnell von 5 bis 6-stelligen Preisen...
Das französische Familienunternehmen Hermès International ist nicht einfach nur ein Luxuskonzern, sondern ein Luxuskonzern der absoluten Extraklasse. Kaum ein anderes Unternehmen legt so großen Wert auf Qualität, Langlebigkeit und Exklusivität. Ja, man muss sich sogar auf eine Warteliste setzen lassen, möchte man eine der begehrten Handtaschen bei Hermès kaufen. Schauen wir uns heute also mal an, ob auch die Aktie überzeugen kann.
Die Entstehung und das Geschäftsmodell der Hermès International SCA
Die Ursprünge des heutigen Modehauses lassen sich am 15. Januar 1801 im nordrhein-westfälischen Krefeld finden, als Thierry Hermès als sechstes Kind eines Gastwirts geboren wurde. Zuvor wanderte seine Familie von Frankreich nach Deutschland aus, doch wenig später annektierten die Franzosen das Gebiet westlich des Rheins. Bereits als junger Mann entdeckte Thierry sein Geschick fürs Handwerk. Allerdings nicht in der Seiden- und Tuchindustrie, die zu dieser Zeit in Krefeld boomte, sondern als Lederverarbeiter. Tragischerweise verlor er seine gesamte Familie durch Krankheit und Krieg, weshalb sich Thierry 1821 dazu entschied, ins normannische Pont-Audemer zu ziehen und dort als Lehrling bei einem Sattler und Harnischmacher zu arbeiten. Einige Jahre später heiratete er und bekam einen Sohn: Charles-Émile Hermès. Im Jahr 1837 zog die junge Familie nach Paris, wo Thierry seine erste eigene Ledermanufaktur für Zaumzeug und Reitgeschirr eröffnete und seinen Sattlerstich perfektionierte. Das ist eine spezielle Nähtechnik, bei der mit zwei Nadeln ein gewachster Leinenfaden so gespannt wird, dass er sich bei richtiger Ausführung nie lösen wird. Übrigens wird bei Hermès bis heute dieser Sattlerstich ausschließlich per Hand vernäht. Es dauerte nicht lange, bis Thierry feststellte, dass seine Kundschaft bereit war, für herausragende Qualität auch entsprechend tiefer in die Tasche zu greifen. Fortan konzentrierte er sich auf die gehobene Oberschicht und stattete sie mit hochwertigen Lederwaren aus.
Im Jahr 1867 erhielt Thierry für seine Arbeit eine Auszeichnung auf der prestigeträchtigen Weltausstellung in Paris. Als er im Jahr 1878 verstarb, übernahm sein Sohn Charles-Émile die Leitung. In den folgenden Jahren verdrängten die Eisenbahn und das Automobil zunehmend die Pferdekutschen von den Straßen. Hermès erkannte diesen Trend frühzeitig und nahm Koffer und Ledertaschen im Produktsortiment mit auf. Émile-Maurice, der Sohn von Charles-Émile, leitetet das Unternehmen ab 1902. Auf einer Geschäftsreise in Kanada entdeckte er durch Zufall eine Art Reißverschluss-System, mit dem Militärautoplanen verschlossen wurden. Von dieser Technik begeistert, sicherte er sich die exklusiven Patentrechte für den französischen Markt und präsentierte schon bald neuartige Taschen und Kleidungsstücke mit passendem Hermès-Reißverschluss. Als seine Frau sich einst darüber beschwerte, keine passende Handtasche zu finden, entwarf Émile-Maurice selbst eine Handtaschenkollektion, die ab 1922 eingeführt wurde. Seit 1929 befinden sich auch die berühmten Hermès Seidencarrés im Sortiment.
Nach Émile-Maurice übernahm dessen Schwiegersohn Robert Dumas die Leitung, der in den 1930er-Jahren unter anderem eine kleinere Variante der Damenhandtasche entwarf. Zwar war diese Tasche anfangs kein Verkaufsschlager, doch als die amerikanische Schauspielerin Grace Kelly auf mehreren Fotos mit ihr abgelichtet wurde, kurbelte dies die Verkaufszahlen stark an. Seitdem ist dieses Handtaschenmodell als Kelly Bag bekannt. Einige Jahrzehnte später machte Jean-Louis Dumas, Sohn von Robert Dumas und damaliger Geschäftsführer, in einem Flugzeug Bekanntschaft mit der englischen Schauspielerin und Sängerin Jane Birkin. Diese beklagte, dass sie keine modische und zugleich geräumige Handtasche finde. Kurzerhand skizzierte Jean-Louis ein Modell auf einem Stück Papier und kreierte so die bis heute beliebte Birkin Bag. Im Jahr 1993 brachte man das Unternehmen an die Pariser Börse, wobei 80 Prozent der Anteile im Familienbesitz blieben. Heute produziert und vertreibt Hermès International neben Handtaschen, Lederwaren und Seidentüchern auch Mode, Parfüms, Kosmetik und Schmuck.
Wie kann sich Hermès International in Zukunft weiterentwickeln?
Zunächst möchte ich noch mal kurz das Geschäftsmodell des Luxuskonzerns zusammenfassen. Hermès International ist ein französischer Luxusgüterhersteller mit ikonischem Status. Tatsächlich wird man sogar als die exklusivste Luxusmarke der Welt wahrgenommen. Kaum ein anderes Unternehmen kombiniert die exzellente Produktverarbeitung der hochwertigsten Materialien, die traditionelle Handwerkskunst und die Liebe fürs Detail, sowie die Exklusivität der Marke, so wie es Hermès tut. Das Unternehmen unterteilt seine Produkte in folgende Kategorien: Leder- und Sattelwaren, Damen- und Herrenkonfektion und Accessoires (einschließlich Schuhe, Gürtel, Handschuhe und Hüte), Seiden und Textilien, Düfte, Uhren und andere Produkte (einschließlich Schmuck, Möbel, Wohnaccessoires und -einrichtungen, Geschirr und Sportzubehör).
Bis heute produziert Hermès vieles per Hand - eine klassische Birkin Bag benötigt etwa 40 Arbeitsstunden. Ein Mitarbeiter, der mindestens fünf Jahre lang ausgebildet wurde, übernimmt dabei jeden einzelnen Arbeitsschritt. Tatsächlich erhält jede Tasche neben einem Datumsstempel auch einen Identifizierungsstempel, sodass im Falle einer Reparatur die Tasche zurück zum Schöpfer gelangen kann. Das verwendete Werkzeug, sowie die angewandten Techniken haben sich im Laufe der Zeit ebenfalls kaum verändert - vieles wird noch auf die traditionelle Art und Weise mit viel Geduld und Liebe produziert. Verkauft werden die Produkte zum einen in den aktuell 306 Hermès Boutiquen weltweit und zum anderen über den hauseigenen Online-Shop. So traditionsreich wie Hermès auch ist, wichtige Trends erkannte man immer recht zeitnah. Beispielsweise zählte Hermès Anfang des Jahrtausends zu den allerersten Luxusmarken mit eigenem Online-Handel.
Werfen wir nun einen Blick auf die Daten des zuletzt veröffentlichten Quartalsberichts (Q1 2022 - endete am 31. März 2022). Im Zeitraum von Januar bis März 2022 konnte Hermès einen Umsatz von 2,7 Mrd. Euro erwirtschaften. Das sind stolze 32,7 Prozent mehr, also noch im Vorjahresquartal. Auch währungsbereinigt liegt die Steigerung immer noch bei starken 27,1 Prozent. Analysen rechneten zuvor mit einer Steigerung von 15 Prozent. Grund für dieses Wachstum war die anhaltende Nachfrage, insbesondere in den USA und in Europa. Auch in Asien startete der Luxusausstatter mit phänomenalen Zahlen, doch durch coronabedingten Schließungen einiger Boutiquen geriet das Geschäft leicht ins Stocken. Man ist aber zuversichtlich, dass es hier bald wieder normal weitergehen wird. Aufgrund des Russland/Ukraine-Kriegs beschloss Hermès seine Geschäftsaktivitäten in Russland einzustellen, auch wenn die rund 60 Mitarbeiter vorerst weiter bezahlt werden. Übrigens wurden auch alle Exporte nach Russland gestoppt und sanktionierte Oligarchen können ebenfalls nicht mehr bei Hermès einkaufen.
Wie bereits in der Einleitung angesprochen, ist das Geschäft von Luxusmarken überraschen krisenresistent. Während in wirtschaftlichen Schwächephasen die Menschen durchaus weniger konsumieren, fungieren hochpreisige Luxusgüter oft als eine Art "sicherer Hafen". Allerdings ist hier wirklich nur vom wahren Luxus die Rede: Jugendliche, die heute meinen, mit Gucci und Louis Vuitton angeben zu müssen, werden vermutlich eher kürzertreten müssen. Des Weiteren treffen Wirtschaftskrisen wohlhabende Menschen deutlich weniger intensiv, wie sie beispielsweise ärmere Menschen treffen. Und auch, wenn die Spanne zwischen Arm und Reich immer größer wird, wächst die Zahl der Millionäre und Milliardäre fortlaufend an. Einer Studie zufolge (siehe Seite 20 der Studie) gab es im vergangenen Jahr über 62 Millionen Menschen auf der Welt, die eine Million US-Dollar oder mehr besaßen und immerhin stolze 2.750 Milliardäre. Keine kleine Kundschaft für Hermès.
Ein weiterer Punkt, der mir sehr gut gefällt ist, dass Hermès International nach wie vor in Familienbesitz ist. Mit Axel Dumas führt das Unternehmen bereits die sechste Generation. Lediglich der vorherige Geschäftsführer Patrick Thomas überbrückte die Zeit von 2006 bis 2013 - abgesehen von ihm war bis heute immer ein Familienmitglied an der Spitze des Luxuskonzerns. Hermès ist nicht nur für Privatanleger ein tolles Investment. Auch LVMH versuchte bereits vergeblich, das Unternehmen aufzukaufen. Aus diesem Grund gründeten die Familienmitglieder die Holdinggesellschaft H51, mit der sie mindestens bis 2041 die Mehrheit der Firmenanteile halten wollen und somit eine feindliche Übernahme verhindern können. Familienunternehmen denken oft in Generationen und nicht nur bis zu den nächsten Quartalszahlen - einen ähnlichen Ansatz verfolge auch ich beim langfristigen Investieren.
Wie sieht es mit der Dividende aus?
Bereits ein Jahr nach dem Börsengang, also im Jahr 1994, begann Hermès damit, seine Aktionäre am Unternehmensgewinn in Form von Dividenden zu beteiligen. Seitdem ist es dem Modehaus zwar in jedem Jahr gelungen, eine Dividende zu zahlen, allerdings wurde diese seit 2018 nicht mehr gesteigert. Betrachtet auf den letzten 10 Jahren liegt die durchschnittliche Dividendensteigerungsrate dennoch bei soliden 11,6 Prozent. Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei 0,6 Prozent. Es bleibt abzuwarten, ob beziehungsweise wann Hermès seine Dividende wieder steigern wird, die Ausschüttungsquote mit gerade mal 34,3 Prozent würde dies in meinen Augen jedenfalls gut zulassen.
Fazit:
Hermès International hat eine interessante Geschichte hinter sich und ich bin ausgesprochen optimistisch, dass es ebenso erfolgreich in Zukunft weitergehen kann. Wer seinem Depot einen gewissen Hauch von Luxus beimischen möchte, sollte sich die Aktie von Hermès noch mal im Details ansehen. Reine Dividendeninvestoren werden aber mit dem ebenfalls französischen Luxusunternehmen LVMH vermutlich glücklicher werden.
Epilog · 1. November 2026
Was daraus wurde
Seit diesem Artikel sind 4 Jahre und 6 Monate vergangen. Hätte man am Tag der Veröffentlichung 1.000 € investiert, stünde man heute hier:
Bitcoin lag vorne.
- Hermès International, inkl. Dividenden:
- Dieselben 1.000 € in Bitcoin:


